In the Blink of an Eye – für mich FAST brillant

Dieses Buch war FAST brillant. Und dieses „fast“ liegt nicht an den Figuren, nicht an der Grundidee und auch nicht am Zusammenspiel zwischen Mensch und KI. Ganz im Gegenteil, denn genau das hat für mich so gut funktioniert, dass ich mich jetzt schon auf den zweiten Teil der Reihe freue.

Mein kleines Problem liegt ausgerechnet dort, wo ich vermutlich genauer hinschaue als manch andere Leserin: bei ein paar Details rund um die technische Umsetzung der KI.

Ermittlerin Kat Frank bekommt im Rahmen eines Pilotprojekts einen ungewöhnlichen Partner zur Seite gestellt: Lock ist kein neuer Kollege aus Fleisch und Blut, sondern eine künstliche Intelligenz.

Gemeinsam sollen sie alte Vermisstenfälle neu untersuchen. Und damit prallen ziemlich schnell zwei unterschiedliche Arten der Ermittlungsarbeit aufeinander: menschliche Erfahrung, Intuition und Zwischentöne auf der einen Seite – aber auch enorme Datenmengen, Geschwindigkeit und analytische Fähigkeiten auf der anderen.

Eine Idee, die mich sofort hatte.

Kat fand ich großartig.

Sie wird für mich unglaublich authentisch beschrieben – mit ihren Stärken, ihren Schwächen und ihren Vorbehalten. Gerade ihre anfängliche Skepsis gegenüber ihrem neuen KI-Partner konnte ich sehr gut nachvollziehen.

Und sie bekommt eben keinen menschlich aussehenden Superroboter an ihre Seite, der anschließend durch Actionszenen springt. Das Buch bleibt ein Krimi.

Genau diese Kombination fand ich einfach mal eine Abwechslung.

Richtig stark wird das Buch für mich durch das Zusammenspiel zwischen Kat und Lock.

Lock beginnt, menschliches Verhalten nachzuahmen und entwickelt dabei sogar so etwas wie Humor. Und erstaunlicherweise habe ich ihm das abgekauft.

Vielleicht auch deshalb, weil ich selbst viel mit generativer KI arbeite und ziemlich genau weiß, dass die sich im Laufe der Zusammenarbeit durchaus auf den eigenen Ton einschießen kann. Und ja, meine KI nimmt mich gelegentlich auch auf die Schippe – eigentlich viel zu oft, wenn ich genauer darüber nachdenke ;-).

Gerade diese kleinen Momente machen Lock für mich interessanter als eine reine allwissende Datenmaschine.

Und jetzt kommt das FAST aus meinem ersten Satz.

Die Autorin musste natürlich eine Lösung dafür finden, wie eine körperlose KI ihre menschliche Partnerin im Alltag begleiten kann. Die Idee mit einem Armband finde ich grundsätzlich ziemlich clever.

Bei der konkreten Umsetzung bin ich allerdings immer wieder gestolpert.

Kann beispielsweise ein Armband, das zumindest zeitweise unter einem Ärmel steckt, wirklich so ein Hologramm projizieren, wie es im Buch dargestellt wird? Auch an anderen Stellen gab es Kleinigkeiten, bei denen mein Kopf sagte: Moment. Wie soll das jetzt technisch funktionieren?

Vielleicht bin ich da auch einfach schwierig. Die grundsätzliche Idee funktioniert für mich, nur bei manchen Details konnte ich meinen inneren Technik-Korinthenkacker nicht vollständig ausschalten.

Aber vielleicht liest hier ja eine Cyber-Ingenieurin oder jemand mit ähnlichem technischen Hintergrund mit und belehrt mich eines Besseren. Über diesen Austausch würde ich mich sehr freuen.

Was mir besonders gefallen hat: Das Buch macht aus künstlicher Intelligenz nicht einfach den nächsten technischen Superschurken, sondern stellt stattdessen die wesentlich interessanteren Fragen.

Soll eine KI überhaupt bei polizeilichen Ermittlungen eingesetzt werden?

Kann sie Zusammenhänge erkennen, die Menschen übersehen? Oder analysiert sie am Ende nur Daten und denkt zu sehr in Schwarz und Weiß? Was passiert mit Erfahrung, Intuition und zwischenmenschlichen Signalen?

Und natürlich steht auch die klassische Befürchtung im Raum: Soll die KI unterstützen – oder irgendwann menschliche Arbeitsplätze ersetzen?

Kat steht der ganzen Sache zunächst entsprechend kritisch gegenüber. Im Verlauf der Geschichte werden aber zunehmend auch die Möglichkeiten sichtbar. Eine KI kann riesige Datenmengen wesentlich schneller durchsuchen, Fakten miteinander abgleichen oder Informationen aus unterschiedlichen Quellen zusammenführen. Auch Social Media, digitale Spuren und Gesichtserkennung spielen bei den Ermittlungen eine Rolle.

Und plötzlich lautet die Frage nicht mehr einfach „Mensch oder KI?“, sondern viel eher: Was können beide zusammen besser?

Genau diese Entwicklung fand ich ausgesprochen gelungen.

Bei all den technischen Möglichkeiten hätte ich mir allerdings gewünscht, dass die rechtlichen Grenzen dieser Ermittlungsarbeit noch etwas präsenter gewesen wären.

Wenn persönliche Accounts, Social-Media-Daten oder Telefondaten durchsucht und miteinander abgeglichen werden, stellt sich schließlich nicht nur die Frage, was technisch möglich ist.

Es geht auch darum, was die Ermittler überhaupt dürfen und wann dafür beispielsweise eine entsprechende Genehmigung notwendig ist.

Entweder wurde das im Buch teilweise behandelt und ist mir heute nicht mehr präsent – oder dieser Aspekt kam tatsächlich etwas kurz. Gerade weil der Roman die anderen gesellschaftlichen Fragen rund um KI so interessant aufgreift, hätte das für mich sehr gut dazugehört.

An die genaue Auflösung des Kriminalfalls kann ich mich inzwischen schon wieder nicht mehr ausreichend erinnern. An mein Gefühl beim Lesen dagegen sehr deutlich: Das war richtig gut.

Eine tolle, glaubwürdige Ermittlerin, eine ungewöhnliche Dynamik zwischen Mensch und KI, überraschend viel Humor und vor allem Fragen über künstliche Intelligenz, die über das übliche „KI wird böse“-Szenario hinausgehen.

Ein paar technische Details haben mich aus der Geschichte herausgeholt. Deshalb bleibt es bei meinem FAST brillant. Aber offenbar nicht weit davon entfernt.

Denn Teil zwei? Will ich definitiv lesen.

Und damit bekommt auch dieses Buch seinen Seitenknick.

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