Im Herzen so kalt von Sandra Åslund – ein Krimi, den ich kaum weglegen konnte

Es gibt Bücher, an deren einzelne Wendungen ich mich Monate später noch genau erinnere. Und es gibt Bücher, bei denen vor allem ein Gefühl hängen bleibt.

„Im Herzen so kalt“ gehört für mich zur zweiten Sorte: Ich weiß heute nicht mehr, wann ich wen verdächtigt habe oder ob mich die Auflösung völlig überrascht hat. Was ich aber noch sehr genau weiß ist, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.

Kriminalinspektorin Maya Topelius reist gemeinsam mit ihrem Partner Pär Stenqvist in die verschneiten Wälder Nordschwedens. Dort ist ein bekannter Umweltaktivist spurlos verschwunden.

Während Maya und Pär ermitteln, wird Mayas Freundin Sanna in Stockholm Opfer eines Übergriffs. Schon bald zeigt sich, dass zwischen den Ereignissen Verbindungen bestehen könnten. Die Suche nach Antworten führt immer tiefer in eine Geschichte, bei der nicht nur die winterliche Umgebung zunehmend bedrohlich wirkt.

Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir die Atmosphäre des Buches. Die winterliche Landschaft Schwedens wirkt einerseits ruhig und beinahe abgeschieden, gleichzeitig liegt immer wieder etwas Bedrohliches darin.

Diese Kombination hat für mich sehr gut funktioniert. Gerade weil die Umgebung nicht permanent laut und dramatisch sein muss, entsteht eine Spannung, die mich durch die Geschichte getragen hat.

Auch die Figuren sind mir positiv in Erinnerung geblieben. Die Protagonisten wirkten auf mich sympathisch und gut gezeichnet – und vor allem wollte ich wissen, wie es mit ihnen weitergeht.

Das ist für mich bei einem Krimi und besonders bei ganzen Krimireihen fast wichtiger als die Frage, ob mich jede einzelne Wendung überrascht hat. Denn mein Gedanke nach dem Ende war ziemlich eindeutig:

Von diesen Figuren möchte ich mehr lesen.

Was mir bei nordischen Krimis immer wieder auffällt: Sobald die Handlung in dünner besiedelte Gegenden führt, scheinen die Menschen besonders zurückhaltend und wortkarg zu werden. Auch in „Im Herzen so kalt“ spielt diese Atmosphäre eine Rolle.

Ob das mit der Realität viel zu tun hat? Das wüsste ich wirklich sehr gerne.

Ich habe selbst einmal einen ganzen April in einem zu dieser Jahreszeit noch ziemlich verlassenen Ferienort an der dänischen Küste verbracht und kann zumindest aus dieser höchst wissenschaftlichen Langzeitstudie nicht bestätigen, dass im Norden grundsätzlich niemand mit einem spricht. Ganz im Gegenteil, aber ich war auch nur „Touristin“ und keine Ermittlerin, die jedem Informationen aus der Nase ziehen wollte.

Aber als Krimi-Kulisse funktioniert diese Zurückhaltung immer verdammt gut.

An Einzelheiten der Auflösung erinnere ich mich heute nicht mehr genug, um zu behaupten, dass mich das Ende völlig überrascht hätte. Was geblieben ist, ist für mich ohnehin aussagekräftiger:

Ich habe das Buch verschlungen, mochte die Atmosphäre und die Figuren und bin sehr zufrieden aus der Geschichte gegangen.

Und vor allem hatte ich nach der letzten Seite einen Gedanken: Wann kann ich wieder mit Maya und Pär ermitteln?

Für mich ein Krimi, bei dem definitiv ein Seitenknick hängen geblieben ist.

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